Montag, 17. März 2008

zuschauen erlaubt!


Wissen Sie noch, wann Sie das letzte Mal ein Kino besuchten? Wenn der Eintritt damals zehn Franken kostete, dann ist es schon ein Weilchen her. Eine 10er Note geben Sie heutzutage schon nur für Getränk und Popcorn aus, ob Coke Zero oder Fanta Lemon, spielt keine Rolle. Obschon Sie eigentlich auf dessen Kauf verzichten könnten, denn vom Vorgänger hat’s unterm Sitz sicherlich noch Speiseresten.

Schon beim betreten des Eingangsbereich werden Sie mittels Monitore (natürlich aus der neusten Flatscreen-Generation) freundlich darauf hingewiesen: „Willkommen im Kino…“ – Als ob man dies nicht gewusst hätte. Gegenüber dem Eingang befinden sich im Übrigen diverse Bankomaten, sollte das Portmonee bereits nach der Billett-Kasse leer laufen. Falls dennoch was übrig bleibt, stehen beim Take Away (fürs Geld heissts „Stay Here“) diverse Produkte von Masterfoods® zum Mitnehmen bereit.
Mit überdimensionalem Pappbecher geht’s weiter in den Kinosaal, dank Rolltreppe wird nichts verschüttet. Die enge Bestuhlung drinnen, erinnert jedoch eher an den Besuch eines Autokinos in einem Smart®.

Schon bald geht’s los… mit der Werbung... Man könnte wirklich meinen, man bezahle für einen Werbefilm, bei dem man als „Zückerli“ zum Abschluss noch einen Hollywoodstreifen zu sehen bekommt. Die grösste Action zu Beginn sind die als letzte ins Kino strömenden Mitschauer, welche beim Vorbeilaufen jeweils deine Kniescheiben arg strapazieren, da sie logischerweise die Sitze ganz hinten in der Ecke gebucht haben. (in den Zürcher Kinos muss man wegen Platzmangel demnach aufstehen). Man kann froh sein, wenn man dabei kein Andenken der Getränkehersteller auf den Jeans davon trägt. (Cola-Zero-Flecken verschwinden dank dem Zuckermanko unter Anwendung der Persil Megaperls auch bei 40 Grad)

Der Filmablauf ist indes schnell erzählt, er verläuft seit Jahren nach dem gleichen Muster: Zuerst ein halbes Dutzend US-Firmenlogos, von den Warner Brothers, von Paramount, Fox und dergleichen. Anschliessend riesige Hektik, dann lernen sich zwei Typen (meistens Männlein und Weiblein) kennen, der erste Krach, die erste Pause (nochmals Pappbecher, diesmal noch mit Frisco-Cornets), die lang ersehnte Versöhnung der HauptdarstellerInnen, der nächste Krach, u.s.w. Was auffällt: die in der Film-Vorschau gezeigten Gags sind bereits bei Filmmitte verbraucht. Anders gesagt, jetzt wird’s erst richtig spannend (Küssen verboten…). Spätestens dann merken auch die Harry Potters, Ratatouilles und Exorzisten, dass sie im falschen Kinosaal sitzen.

Das Happyend, welches sich bei allen Filmen recht ähnlich sieht, sorgt meist für Tränen unter den Zuschauern, genau wie nach einem Fussballmatch FCZ-FCB, wenn die Stapo ZH unter Anwendung eines speziellen Gases, die Fanlager trennen möchte, womit wir wieder beim Fussball wären. Dazu die interessante Frage: Haben die Kinos während der Euro (Benefizspiele zu Gunsten des UEFA-Jahresgewinns) überhaupt geöffnet? Wenn ja, welche Filme werden gezeigt? „Das Wunder von Bern“, „Mein Name ist Eu(ro)-Gen“, „Kill Ball“ oder „Kein-Ohr-Rasen?“

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