Dienstag, 18. März 2008


Der Frühling ist nun auch im Unterland angekommen, unpünktlich wie eh und je. Höchste Zeit also, um die Reifen an meinem Zweirad auf Sommer zu stellen, und, das mache ich immer um diese Jahreszeit, meinen Hausarzt aufsuchen. Heutzutage geht nichts mehr ohne jährliches Gesundheits-Update bei einem eidgenössisch anerkannten Oberheiler.

Getreu nach dem Motto „läuten und eintreten“ (hat nichts mit „auf Leute eintreten“ zu tun) betrat ich diese Arztpraxis, welche bereits von weitem nach dem allseits bekannt und beliebten Generika-Mix roch. Freundlich begrüsst wurde ich, obschon sich meiner Einer nicht mal vorher angemeldet hat, von einer schlanken, südländisch jungen Frau (mit Headset), welche sich seit neustem MPA nennt (althelvetisch: Arztgehilfin). „Ich müsse halt jetzt warten…“, da ich mich ja nicht angemeldet habe. Na bitte, wo ist denn da der Unterschied? Na klar, bei den Minuten! Statt der üblichen Wartezeit von einer halben Stunde, welche man übrigens nicht von den Steuern abziehen kann, warte ich dieses Mal satte 47 Minuten!! Und stellen Sie sich vor meine Damen und Herren, dies in einem Wartsaal, mit kreischenden Neugeburten, nicht mehr so aktuellen Schweizer Illustrierten (Adolf Ogi, der neue Bundesrat ganz privat…!) und ständigem Geläute, von nach mir eintretenden Patienten, welche selbstverständlich vor mir drankommen.

Nach drei Kreuzworträtseln wird endlich mein Name aufgerufen. Dumm nur, dass die alte Dame neben mir denselben Nachnamen besitzt. Nach der Frau mit der heimtückischen Artrose (sie hat mich mit ihren Erzählungen auf Trab gehalten, Lösungen der Rätsel deshalb unbekannt) kam ich nun an die Reihe. Alles i.O. sagt der Fachmann, wie jedes Jahr. Seit eh und je. Noch 15 Minuten geplaudert mit meinem Dökti, jedoch habe ich rechtzeitig das Besprechungszimmer verlassen, damit sich meine Krankenkassenrechnung in Grenzen hält (habe hohe Franchise…). Warum mir mein FMH-Arzt jedoch bei der Verabschiedung diesmal einen übermässig starken Händedruck verpasste, bleibt sein Geheimnis. Ich vermute jedoch, dass er mit dieser Tätigkeit eine Handverletzung auslösen wollte. Getreu nach dem allgemeinen Ärzte-Motto: „Sieht aber gar nicht gut aus, das müssen wir unbedingt behandeln…“

Montag, 17. März 2008

zuschauen erlaubt!


Wissen Sie noch, wann Sie das letzte Mal ein Kino besuchten? Wenn der Eintritt damals zehn Franken kostete, dann ist es schon ein Weilchen her. Eine 10er Note geben Sie heutzutage schon nur für Getränk und Popcorn aus, ob Coke Zero oder Fanta Lemon, spielt keine Rolle. Obschon Sie eigentlich auf dessen Kauf verzichten könnten, denn vom Vorgänger hat’s unterm Sitz sicherlich noch Speiseresten.

Schon beim betreten des Eingangsbereich werden Sie mittels Monitore (natürlich aus der neusten Flatscreen-Generation) freundlich darauf hingewiesen: „Willkommen im Kino…“ – Als ob man dies nicht gewusst hätte. Gegenüber dem Eingang befinden sich im Übrigen diverse Bankomaten, sollte das Portmonee bereits nach der Billett-Kasse leer laufen. Falls dennoch was übrig bleibt, stehen beim Take Away (fürs Geld heissts „Stay Here“) diverse Produkte von Masterfoods® zum Mitnehmen bereit.
Mit überdimensionalem Pappbecher geht’s weiter in den Kinosaal, dank Rolltreppe wird nichts verschüttet. Die enge Bestuhlung drinnen, erinnert jedoch eher an den Besuch eines Autokinos in einem Smart®.

Schon bald geht’s los… mit der Werbung... Man könnte wirklich meinen, man bezahle für einen Werbefilm, bei dem man als „Zückerli“ zum Abschluss noch einen Hollywoodstreifen zu sehen bekommt. Die grösste Action zu Beginn sind die als letzte ins Kino strömenden Mitschauer, welche beim Vorbeilaufen jeweils deine Kniescheiben arg strapazieren, da sie logischerweise die Sitze ganz hinten in der Ecke gebucht haben. (in den Zürcher Kinos muss man wegen Platzmangel demnach aufstehen). Man kann froh sein, wenn man dabei kein Andenken der Getränkehersteller auf den Jeans davon trägt. (Cola-Zero-Flecken verschwinden dank dem Zuckermanko unter Anwendung der Persil Megaperls auch bei 40 Grad)

Der Filmablauf ist indes schnell erzählt, er verläuft seit Jahren nach dem gleichen Muster: Zuerst ein halbes Dutzend US-Firmenlogos, von den Warner Brothers, von Paramount, Fox und dergleichen. Anschliessend riesige Hektik, dann lernen sich zwei Typen (meistens Männlein und Weiblein) kennen, der erste Krach, die erste Pause (nochmals Pappbecher, diesmal noch mit Frisco-Cornets), die lang ersehnte Versöhnung der HauptdarstellerInnen, der nächste Krach, u.s.w. Was auffällt: die in der Film-Vorschau gezeigten Gags sind bereits bei Filmmitte verbraucht. Anders gesagt, jetzt wird’s erst richtig spannend (Küssen verboten…). Spätestens dann merken auch die Harry Potters, Ratatouilles und Exorzisten, dass sie im falschen Kinosaal sitzen.

Das Happyend, welches sich bei allen Filmen recht ähnlich sieht, sorgt meist für Tränen unter den Zuschauern, genau wie nach einem Fussballmatch FCZ-FCB, wenn die Stapo ZH unter Anwendung eines speziellen Gases, die Fanlager trennen möchte, womit wir wieder beim Fussball wären. Dazu die interessante Frage: Haben die Kinos während der Euro (Benefizspiele zu Gunsten des UEFA-Jahresgewinns) überhaupt geöffnet? Wenn ja, welche Filme werden gezeigt? „Das Wunder von Bern“, „Mein Name ist Eu(ro)-Gen“, „Kill Ball“ oder „Kein-Ohr-Rasen?“